Wenn ein:e Mitgründer:in geht, steht mehr auf dem Spiel als Anteile. Wie ihr eine Trennung fair klärt und euer Team dabei stabil bleibt.
Die Entscheidung ist eigentlich schon gefallen. Ausgesprochen hat sie noch niemand. Im Büro ahnen alle etwas, und jede Woche, in der niemand etwas sagt, wird es schwerer.
Es passiert häufiger, als ihr denkt
Der Ausstieg eines Mitgründers oder einer Mitgründerin ist kein seltenes Drama. Die Plattform Carta, über die viele Startups ihre Anteile verwalten, hat Daten von über 22.000 Gründer:innen in Zweier- und Dreierteams mit Wagniskapital ausgewertet: Fast jedes vierte Team erlebte schon vor dem dritten Jahr einen Ausstieg, nach fünf Jahren mehr als 30 Prozent. Die Daten stammen aus den USA, die Größenordnung ist trotzdem ein guter Realitätscheck.
Trennung ist auch eine Form von Klärung
Manchmal ist eine Trennung das Ergebnis eines Konflikts, der nicht mehr lösbar ist. Manchmal haben sich schlicht die Lebenspläne verändert. In beiden Fällen gilt: Eine Trennung muss kein Scheitern sein. Sie kann die Klärung sein, die alle Beteiligten wieder handlungsfähig macht.
Drei Ebenen, die geklärt werden wollen
Rechtlich und finanziell: Anteile, Vesting, Abfindung, Geschäftsführung. Das gehört in die Hände von Anwält:innen und Steuerberatung.
Persönlich: Freundschaft, Kränkung, Anerkennung für das Geleistete. Diese Ebene wird oft übersprungen und rächt sich später.
Im Team: Wer übernimmt welche Aufgaben? Was erfahren Mitarbeitende, Investor:innen und Kund:innen, und wann?
Was eine faire Trennung braucht
Einzelgespräche, damit beide Seiten gehört werden. Moderierte Klärungen mit einem klaren Ziel. Ein Eckpunkte-Protokoll, das festhält, worauf ihr euch verständigt habt. Einen bewussten Abschied. Und eine abgestimmte Kommunikation ins Team, bevor Gerüchte sie ersetzen.
Das Team nicht vergessen
Mitarbeitende spüren eine Trennung lange, bevor sie offiziell ist. Sie fragen sich, ob das Startup noch stabil ist, und manchmal, auf wessen Seite sie stehen sollen. Klare Information, neu geklärte Rollen und ein offenes Ohr für Fragen helfen dem Team, gut aufgestellt weiterzuarbeiten.
Fazit
Die beste Vorsorge für eine faire Trennung ist eine Founder-Vereinbarung, die ihr in guten Zeiten schreibt. Wenn es trotzdem so weit kommt, entscheidet die Art der Trennung darüber, ob das Startup daran zerbricht oder gestärkt weitergeht.
Ich bin Daniela Wilberg, systemische Organisationsentwicklerin (DGSF). Ich begleite Gründungsteams in Brandenburg und Berlin. Lasst uns 20 Minuten sprechen, bevor aus einem kleinen Reibungspunkt ein großes Problem wird.
Quelle: Carta-Auswertung von 22.352 Gründer:innen (VC-finanziert, 2016–2023), zusammengefasst bei SaaStr: https://www.saastr.com/carta-co-founder-break-ups-are-accelerating