Nach der ersten Gründungsphase: Warum euer Gründerteam jetzt (nochmal) Rollen klären sollte
Am Anfang macht jede:r alles. Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert.
„Wer entscheidet eigentlich über das Pricing?“ Die Frage fällt im Weekly, und plötzlich ist es still. Drei Gründer:innen im Start-Up, drei haben Antworten. Keine davon ist falsch. Aber keine ist abgesprochen.
Am Anfang war Unschärfe Absicht
In den ersten Monaten ist Unschärfe kein Fehler, sondern Tempo. Alle machen alles, Entscheidungen fallen am Küchentisch, Zuständigkeiten ergeben sich aus der Situation. Das passt, solange ihr wenige seid und jeden Tag zusammensitzt.
Was sich nach der ersten Phase verändert
Dann kommen Finanzierung, erste Mitarbeitende, Kund:innen mit Erwartungen. Was „irgendwie“ verteilt war, wird zum Engpass: Arbeit wird doppelt gemacht, Entscheidungen bleiben liegen, eine Person wird zum Nadelöhr. Und unausgesprochene Erwartungen werden zu stillen Enttäuschungen.
Das ist kein Randthema. Noam Wasserman hat für „The Founder’s Dilemmas“ Daten von rund 10.000 Gründer:innen ausgewertet: 65 Prozent der Fehlschläge wachstumsstarker Startups gehen auf Probleme mit Menschen zurück, nicht auf Produkt oder Markt. Viele dieser Probleme beginnen genau hier, bei Rollen, die nie wirklich geklärt wurden.
Was ein Rollen-Reset klärt
Wer entscheidet was, und wer wird vorher gefragt?
Was erwartet ihr voneinander bei Zeit, Tempo und Risiko?
Welche Stärken bringt ihr mit, und wo sind eure Lücken?
Woran merkt ihr, dass ihr nachjustieren müsst?
Warum präventiv der beste Zeitpunkt ist
In guten Zeiten redet es sich leichter. Wer erst klärt, wenn es kracht, verhandelt nicht mehr über Rollen, sondern über Verletzungen. Ein Rollen-Reset nach der ersten Gründungsphase ist deshalb kein Krisenmanagement, sondern Vorsorge, so selbstverständlich wie ein Gesellschaftervertrag.
Was am Ende steht
Eine Rollen- und Verantwortungsmatrix, die alle verstehen. Eine schriftliche Founder-Vereinbarung, die ihr regelmäßig überprüft. Und ein gemeinsames Bild davon, wie ihr zusammenarbeiten wollt, wenn das Tempo weiter steigt.
Fazit
Euer Produkt entwickelt ihr in Iterationen. Eure Zusammenarbeit verdient denselben Anspruch. Rollen zu klären heißt nicht, Flexibilität aufzugeben, sondern sie bewusst zu gestalten.
Ich bin Daniela Wilberg, systemische Organisationsentwicklerin (DGSF). Ich begleite Gründungsteams in Brandenburg und Berlin. Lasst uns 20 Minuten sprechen, bevor aus einem kleinen Reibungspunkt ein großes Problem wird.
Ab Januar 2027: Akut-Sprechstunde für Führungskräfte und Start-Ups.
Quelle: Noam Wasserman, The Founder’s Dilemmas, Princeton University Press 2012.