Teamentwicklung bei Generationenmix: Wie Alt & Jung produktiv zusammenarbeiten

„Die Jungen wollen keine Verantwortung, die Älteren blockieren alles Neue.“ Solche Sätze höre ich regelmäßig in Workshops, in denen Mitarbeitende zwischen Anfang 20 und Mitte 60 zusammenarbeiten. Gerade in KMU, in denen Altersunterschiede in kleinen Teams besonders spürbar sind, entstehen häufig Reibungspunkte, die mit einzelnen Generationen wenig zu tun haben – aber viel mit unausgesprochenen Erwartungen, Kommunikationsgewohnheiten und verschiedenen Prägungen.

Auch wenn Mitarbeitende dieselben Rollen im Unternehmen haben, bringt jede Person eine Vielzahl an individuellen Themen mit, die zu Konflikten führen


Typische Szenen aus dem Unternehmensalltag

  • Die Babyboomer bestehen auf verlässliche Strukturen und persönliche Absprachen. Sie verstehen es als Zeichen von Respekt, wenn Dinge von Angesicht zu Angesicht geklärt werden.

  • Jüngere Kolleg:innen hingegen erwarten Flexibilität und digitale Kommunikation. Sie interpretieren häufige Kontrollfragen als Misstrauen.

  • Die Folge: Beide Seiten fühlen sich nicht verstanden – und der Konflikt wird häufig persönlich genommen.

Ein Beispiel: In einem Familienunternehmen in Brandenburg führte die Einführung eines agilen Planungstools zu massiven Spannungen. Die jüngeren Mitarbeitenden begrüßten die digitale Flexibilität. Die ältere Belegschaft sah ihre gewohnte Struktur gefährdet – und zog sich zurück. Der Informationsfluss versiegte, die Fehlerquote stieg.


Der systemische Blick: Unterschiedlichkeit als Ressource

Statt sich auf „die Generationen“ zu fixieren, fragen wir bei systemischer Teamentwicklung: Wie sprechen wir über unsere Unterschiede? Wie gut hören wir einander zu? Welche unausgesprochenen Werte stehen hinter dem, was uns irritiert?

Ein Workshop in ebenjenem Familienbetrieb brachte überraschende Erkenntnisse: Die „Widerständigen“ waren nicht technikfeindlich, sondern fürchteten um den persönlichen Kontakt. Die Jungen wiederum waren nicht respektlos, sondern wollten effizienter arbeiten. Das Ergebnis war die Einführung eines hybriden Formats mit regelmäßigem persönlichen Check-in.

Der systemische Werkzeugkoffer wird individuell auf die Befdürfnisse des Teams zusammengestellt.

Methoden aus dem systemischen Werkzeugkoffer

  • Perspektivwechsel durch Aufstellungen: Wer sich selbst in die Rolle des anderen stellt, versteht oft mehr als in jeder Diskussion.

  • Fragen statt Feststellungen: "Was ist dir an dieser Vorgehensweise wichtig?" bringt mehr als "Das ist nicht mehr zeitgemäß."

  • Narrative Interviews: Unterschiedliche Berufsbiografien und Erfahrungen werden geteilt, nicht bewertet.

Fazit

Ein guter Generationenmix im Team ist wie eine vielfältige Werkzeugkiste: Je besser man weiß, was jedes Teil kann, desto reibungsloser läuft es. Systemische Teamentwicklung schafft genau dieses Verständnis – auf Augenhöhe.


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