Anstoß statt Anleitung – Was systemische Interventionen (nicht) tun
Systemische OE will nicht steuern, sondern anstoßen. Warum gute Interventionen keine Lösungen liefern – aber Entwicklungen ermöglichen.
„Und was schlagen Sie konkret vor?“ – Diese Frage erlebe ich häufig in Vorgesprächen. Sie ist verständlich. Doch sie trifft den systemischen Kern nicht: Systemische Interventionen liefern keine Lösungen von außen. Sie wirken von innen. Sie bringen Systeme in Bewegung – durch gezielte Irritation, durch neue Perspektiven, durch Resonanz.
Was eine systemische Intervention ist – und was nicht:
keine „Maßnahme“ im klassischen Sinn
kein Masterplan mit Soll-Ist-Abgleich
sondern ein Impuls, der neue Beobachtungen ermöglicht
Beispiel aus einem Brandenburger Unternehmen:
In einem unternehmergeführten Betrieb führte die starke Inhaberfigur über Jahrzehnte mit viel Kontrolle. Das Team war loyal – aber auch passiv. Nach einer strategischen Neuausrichtung wollte der Inhaber mehr Eigenverantwortung. Doch wie? Statt Leitplanken zu setzen, begannen wir mit einer ungewöhnlichen Intervention: Das Führungsteam wurde gebeten, die Geschichte des Unternehmens als Theaterstück aufzuführen – mit Szenen, Rollen, Wendepunkten.
Was entstand, war ein kollektives Verstehen: wie sehr die Führung auf Kontrolle ausgerichtet war – und wie sehr sich das Team nach Gestaltungsräumen sehnte. Das Stück wurde zum Spiegel – und zur Einladung, neue Rollen zu erproben. Keine Anleitung. Aber ein starker Anstoß.
Was Interventionen auslösen können:
Sie unterbrechen gewohnte Muster
Sie erzeugen neue Gespräche
Sie ermöglichen Selbstbeobachtung
Ein weiteres Beispiel:
In einem Ingenieurbüro sorgte ein interner Streit zwischen zwei Abteilungen für ständige Reibung. Statt zu moderieren oder zu schlichten, nutzten wir eine strukturelle Aufstellung: Jede Abteilung stellte sich physisch im Raum auf, wie sie die Beziehung zur anderen Seite empfand. Plötzlich wurde sichtbar: Die „technische Seite“ fühlte sich unter Wert gesehen, die „Vertriebsseite“ überfordert. Die Intervention: eine Bewegung im Raum. Kein Konzept, kein Plan – aber ein neuer Anfang.
Fazit:
Systemische Interventionen wollen nicht „lösen“, sondern auslösen. Gerade in KMU, wo oft schnelle Lösungen erwartet werden, ist das ein Paradigmenwechsel. Aber einer, der trägt: Denn was ein System selbst erkennt, verändert es nachhaltiger als jeder externe Vorschlag. Und manchmal genügt ein kluger Anstoß, um Bewegung auszulösen, wo vorher nur Stillstand war.
Ich bin Daniela Wilberg, systemische Organisationsentwicklerin. Wenn Sie mehr erfahren möchten: Lesen Sie gern weitere Artikel oder treten Sie mit mir in Kontakt.