Systemisch fragen statt vorschnell antworten – Gesprächsführung in der OE
Gute Beratung beginnt nicht mit Antworten, sondern mit echten Fragen. Warum systemisches Fragen in Organisationen Perspektiven öffnet – statt sie zu verengen.
„Wir brauchen endlich Lösungen!“ – Diese Forderung begegnet mir oft, wenn ich in Organisationen eingeladen werde. Der Druck ist hoch, die Geduld knapp. Aber: Wer zu schnell antwortet, gibt oft Antworten auf Fragen, die nie wirklich gestellt wurden. In der systemischen Organisationsentwicklung ist das Fragen selbst ein zentrales Werkzeug. Nicht als Technik, sondern als Haltung.
Fragen, die etwas in Bewegung bringen:
In einem Beratungskontext mit einem Verband für soziale Träger in Brandenburg schilderte die Führungskraft, dass „niemand mehr Verantwortung übernimmt“. Statt die Mitarbeitenden zu kritisieren, stellten wir Fragen: „Woran würden Sie merken, dass Verantwortung übernommen wird?“ – „Was würde Ihr Team antworten, wenn es diese Situation beschreibt?“ – „Was ist vielleicht hinderlich daran, Verantwortung zu übernehmen?“ Diese Fragen lösten etwas aus: Nachdenklichkeit, Dialog, Selbstreflexion. Die Führungskraft selbst erkannte, dass Verantwortung nicht nur übernommen, sondern auch zugelassen werden muss.
Systemisches Fragen heißt:
nicht wissen, sondern ermöglichen
nicht definieren, sondern erforschen
nicht urteilen, sondern interessiert sein
Beispiel aus einem Industrieunternehmen:
Ein Fertigungsleiter in einem Maschinenbaubetrieb fragte sich, warum sein Team ständig „um den heißen Brei herumredet“. In einem begleiteten Teamgespräch zeigten wir mit zirkulären Fragen auf, wie Kommunikationsmuster entstanden waren: „Was glauben Sie, warum Ihr Kollege schweigt?“ oder „Wer würde sich wundern, wenn Sie das einfach direkt ansprechen?“ Plötzlich wurde sichtbar: Nicht mangelnde Offenheit, sondern Angst vor Gesichtsverlust war das eigentliche Thema.
Praktische Frageformate:
Skalierungsfragen („Auf einer Skala von 1 bis 10 …“)
Zukunftsfragen („Was wäre morgen anders, wenn …?“)
Zirkuläre Fragen („Was würde Person X über Y sagen?“)
Fazit:
Gute Fragen verändern den Blick auf die Wirklichkeit. In der systemischen OE geht es nicht darum, „die richtige“ Lösung zu finden – sondern den Raum zu öffnen, in dem Teams ihre eigene Lösung entwickeln können. Wer fragt, statt vorschnell zu antworten, verändert nicht nur Gespräche – sondern auch Organisationen.
Ich bin Daniela Wilberg, systemische Organisationsentwicklerin. Wenn Sie mehr erfahren möchten: Lesen Sie gern weitere Artikel oder treten Sie mit mir in Kontakt.